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Foto: Glenn Rökeberg, mit freundlicher Genehmigung Redningsselskapet, Norwegen

 Clubmodell

 

Ein Schiffsmodellbau-Club, der eine Werkstatt hat und mit allem ausgestattet ist, was ein normaler Modellbauer so benötigt, braucht nur noch eins:

 

Ein Clubmodell

Auch wir hatten schon oft darüber diskutiert, aber ein heißer Favorit zeichnete sich längere Zeit nicht am Horizont ab.

Unser Clubhaus fügt sich harmonisch in die urwüchsigen Brombeer- und Holunderhecken, die das lange, gerade Ufer unseres Vereinsgewässers üppig begrünen. Nicht sehr breit, unser Modellboot-Teich, aber einer der längsten, die ich je gesehen habe:

Der Mittellandkanal

Von seinem Wesen her ist er allerdings eher im Bereich der Rauhwasser zu suchen. Einerseits, weil er ebenso wie das Wasser gerne mal auch den Wind kanalisiert und so für eine stetige, steife Brise sorgt, andererseits, weil 1:1-Benutzer des Kanals (besonders die gewerblichen) ihrerseits gerne und oft für ordentlich Seegang sorgen.

 

„Wir fahren raus, wenn andere reinkommen“

– die Wetterlage, auf die dieser Seenotretter-Spruch abzielt, trifft auf unseren Kanal – im maßstäblichen Sinne – recht häufig zu. So wird es nicht verwundern, wenn sich in letzter Zeit in unseren Reihen eine deutliche Tendenz zum Modellmaßstab 1:15 entwickelt und hier insbesondere die Liebe zu Seenotrettungseinheiten etabliert hat.

Eines schönen (Sams-)Tages erschien nun ein lieber Vereinskollege mit der Nachricht, er habe das ideale Clubmodell gefunden:

Seine Notebook-Fotosammlung zeigte uns ein ansprechendes, rassiges Bötchen. Schneller Rumpf, jetgetrieben, interessanter Aufbau, harmonisches Erscheinungsbild, auf inländischen Modellteichen noch nicht so häufig zu sehen. Im Maßstab 1:15 wäre es ca. 1 m lang, daher mit nahezu jedem Pkw transportierbar und dennoch so groß, dass es dem permanenten Mittellandkanal-Seegang gut trotzen können würde.

Es ist ein 14-m-Boot der „Redningsselskapet“, der norwegischen Seenotrettungsgesellschaft, die für Einsätze nahe ihrer zerklüfteten Küste gern schnelle, wendige, aber seegängige Einheiten einsetzt.

Die jetgetriebenen 14-m-Boote, die als sehr elegante und schneidige Schnellboote konzipiert sind und auch die eine oder andere interessante Funktion aufweisen, bieten eine wirklich ideale Vorlage für den vorbildgetreuen Nachbau.

 

Ein Blick in die Runde zeigt große, staunende Augen und breite Zustimmung. Also hält neben der DGzRS nun die RS (Redningsselskapet) aus Norwegen bei uns Einzug. Willkommen im SMC Peine.

 

Unser neues Clubmodell

Die Redningsselskapet ist eine sehr offene Seenotrettungsgesellschaft und nach norwegischer Mentalität in einem Maße „öffentlichkeitsfreundlich“, das für uns als Deutsche sehr ungewohnt ist. Dort gibt man gerne, freundlich und reichlich Auskunft. Man trifft sie in einer Facebook-Gruppe, der jeder beitreten und an ihren umfangreichen öffentlichen Auftritten teilhaben kann. Sind hier im Umfeld unserer (Rettungs-)Gesellschaften viele Dinge vertraulich und werden eisern unter Verschluss gehalten, findet man schon auf der Homepage der Redningsselskapet neben zahlreichen Bildberichten zu ihrer Öffentlichkeitsarbeit detaillierte Informationen über viele der eingesetzten Schiffstypen, bis hin zu Werftskizzen und Bauplänen. So habe ich auf meine Bitte, das tolle Foto von „ELIAS“ im Einsatz als Titelbild dieses Beitragens veröffentlichen zu dürfen, umgehend die Genehmigung der  Gesellschaft erhalten.

Was macht nun den 14-m-Typ der Redningsselskapet für uns so interessant?

Wenn sie auch nicht in einer eigenen Bootsklasse kategorisiert sind, so bilden die 14-m-Boote doch eine kleine Reihe von etwa sieben Rettungseinheiten, denen konstruktiv dieselbe Basis zu Grunde zu liegen scheint und die zumindest äußerlich nahezu baugleich sind. Bezeichnet mit „RS151“ bis „RS159“, hören sie auf klangvolle Namen wie „ELIAS“, „DET NORSKE VERITAS“ oder „BILL“. Eine Vielzahl individueller Merkmale kennzeichnet die Mitglieder dieser kleinen Flotte aber doch. Hier ein anderer Suchscheinwerfer-Typ, dort eine andere Lackierungsvariante am Mast oder am Aufbau, oder auch andere Aufbauten auf dem Peildeck. Kurz und gut: Sie eignen sich hervorragend für einen gemeinsamen Bau mehrerer Boote, der dann trotzdem eine abwechslungsreiche Flotte hervorbringt. Nichts erscheint mir nerviger, als wenn beispielsweise 5 „Bermpohls“ neben 2 „Berlins“ usw. auf demselben Teich herumschippern.

Spontan begeistert ging es an die Planung. Da es in einem Modellbauclub meist eine Fülle unterschiedlichster Begabungen und Möglichkeiten gibt, fand sich schnell für jede Arbeit ein geeigneter Mann.

Der Plan

Unsere vereinseigene CNC-Fräse sollte ein Spantengerippe nach den detaillierten Informationen der Redningsselskapet produzieren, wozu natürlich intensive Vorarbeit unserer CAD- und CNC-Spezialisten erforderlich war.

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Urmodell

Relativ schnell konnten unsere CAD-Leute aus den reichhaltigen Plänen und Skizzen auf der Homepage der Redningsselskapet ein Abbild des Rumpfs der 14-m-Boote erstellen. Der erste Schritt zum Clubmodell war getan.

 

An den gemeinsamen Bastel-Samstagen entstand dann der Rohbau für das Rumpf-Urmodell – klassisch als Spantengerippe über Kopf auf Helling montiert. Schon jetzt zeichnete sich die spannende Linienführung des Knickspanters ab. Wir waren sicher: Das würde ein tolles Boot werden.

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Zur Zeit wird der fertig beplankte Rumpf gespachtelt und geschliffen und wir sind gespannt darauf, wie sich unser „Nordmann“ entwickeln wird.

Herbert Hallmann

(Wird fortgesetzt)

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